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Der Mensch steht im Mittelpunkt

REGENSBURG. Bei seinem Besuch der Lebenshilfe Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Regensburg- Obertraubling brachte es Bezirkstagspräsident Franz Löffler auf den Punkt: „Alle Unterstützungsleistungen müssen darum gehen, dass der Mensch mit Behinderung gefördert wird“. Auch das neue Bundesteilhabegesetz müsse sich etwa beim „Budget für Arbeit“ daran messen lassen, inwieweit es die Lebens- und Arbeitsbedingungen des einzelnen Menschen mit Behinderung verbessert. Wie die Lebenshilfe diese personenzentrierte Hilfe umsetzt, konnte der Präsident zusammen mit  Bezirksrat Thomas Gabler beim Rundgang durch die Werkstatt erleben. An der Verpackungsstation steuern zwei Mitarbeiter mit Behinderung den Produktionsablauf nur mit ihren Augenbewegungen, die Arbeitsschritte in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung sind von den Gruppenleitern so aufgegliedert, dass jeder Mitarbeiter erfolgreich am Gesamtprodukt mitarbeitet. In der Wäscherei werden pro Tag rund eine Tonne Wäsche für einen Großkunden schrankfertig geliefert. „Erfolg und Anerkennung ist das, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter antreibt und stolz macht“, betonte die Vereinsvorsitzende der Lebenshilfe Ursula Geier. Auch für Bezirkstagspräsident Löffler sind Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufgrund ihres „passgenauen Bildungs- und Hilfeangebots unverzichtbar“.

Rund 200 Mitarbeiter mit Behinderung sind am Standort Obertraubling tätig, mit den Werkstätten in Lappersdorf und Gebelkofen ist die Lebenshilfe Regensburg e.V. der größte Werkstattträger in der gesamten Oberpfalz. Die Werkstatt bekommt die Aufträge nicht von Firmen angeboten, sondern eine auf Akquise spezialisierte Abteilung sucht in den Firmenausschreibungen nach für die Arbeitskräfte geeigneten Aufträgen. „Viele Kunden schätzen unsere Zuverlässigkeit und die Qualität der Produkte: „Was von der Lebenshilfe-Werkstatt kommt, das passt“, so lautet die überwiegende Aussage der Kundschaft, erläuterte Geschäftsführer Johann Halbritter. Der Bezirk Oberpfalz hat 2016 die Lebenshilfe Regensburg e.V. mit rund 15 Millionen Euro unterstützt, „70 Prozent davon reichen wir als Lohn an unsere Mitarbeiter weiter und das Geld fließt damit als Ausgaben in den Wirtschaftskreislauf“, betonte Halbritter. Er sieht als großen Vorteil, dass viele Eltern der Mitarbeiter sich im Lebenshilfe-Verein organisiert haben. Als „Glücksfall“ bezeichnete Bezirkstagspräsident Franz Löffler diese enge Zusammenarbeit betroffener Eltern mit der Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

Neue Wege geht die Lebenshilfe im Regensburger Stadtosten: 24 barrierefreie Wohnplätze sind im Nibelungenareal geplant mit einem Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Behinderung. Das Projekt wird vom Bayerischen Sozialministerium und dem Bezirk Oberpfalz gefördert. Die Menschen werden von dem dort angesiedelten Betreuungsdienst ambulant betreut. Bezirkstagspräsident Löffler betonte, dass diese Form der Betreuung für viele Menschen der bessere Weg ist, „weil sie so mehr am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen können“. Als Novum versucht die Lebenshilfe auch Wohnmodelle wie „Betreutes Wohnen in Familien“ oder Wohngemeinschaften anzubieten als Alternative zur stationären Unterbringung.

Nächste Station der Entwicklung ist die Modernisierung der Lebenshilfe Werkstatt Lappersdorf mit einer Verlagerung von 20 Plätzen nach Obertraubling. Die Kostenschätzung für diese Maßnahme liegt bei knapp vier Millionen Euro. Im Rahmen seiner Förderrichtlinien wird sich der Bezirk Oberpfalz mit rund 200.000 Euro daran beteiligen.