Antrittsbesuch beim Bezirk

Im Februar dieses Jahres hatte er sich bereits mit Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler in Pilsen getroffen: Nun erfolgte die Gegenvisite Josef Bernards und damit zugleich der erste offizielle Amtsbesuch des neuen Pilsener Hauptmanns beim Bezirk Oberpfalz.

Dem Anlass entsprechend hatte Franz Löffler für seinen Gast, der vom stellvertretenden Pilsener Hauptmann für Verkehrsfragen, Pavel Čížek, sowie von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Šárka Stará, Jan Příbaň und der Dolmetscherin Petra Kropačková begleitet wurde, ein umfangreiches Programm vorbereitet. Gemeinsam mit dem 2. Bürgermeister Alfred Reger hieß er die Gruppe zunächst in Roding willkommen und lud zu einer Besichtigung der Firma Stangl und Kulzer ein. Hier konnte Bernard beispielhaft einen Eindruck von der praktischen Umsetzung der Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 in einem Oberpfälzer Mittelstandsunternehmen gewinnen. Stangl und Kulzer erzeugt mit modernsten technischen Verfahren an seinen Standorten in Roding und Waldmünchen innovative und qualitativ hochwertige Präzisionsteile, die unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen. Seit 2012 stellt das Unternehmen mit dem Roding Roadster zudem einen technologisch hoch anspruchsvollen Sportwagen her, der besonders das Interesse des Hauptmanns weckte. Bernard, der vor seinem politischen Amt selbst in der Wirtschaft tätig war, nahm mit Begeisterung hinter dem Steuer Platz und ließ sich die Details des Fahrzeugs durch die Geschäftsführer Johann Stangl und Stefan Kulzer erläutern.

Löffler hatte das Unternehmen bewusst als Beispiel für die Leistungsfähigkeit der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Oberpfalz ausgewählt und wies auf die grenzüberschreitende Bedeutung innovativer Industriebetriebe hin: „Wir haben uns längst zu einer gemeinsamen Wirtschaftsregion entwickelt und müssen uns auch in Zukunft daran orientieren, die Wertigkeit und Attraktivität der Region gemeinsam zu steigern. Denn Innovationen machen nicht an der Grenze halt“.

Die weitere Entwicklung des gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraums erfordert jedoch auch gut ausgebaute Verkehrswege. So standen bei der anschließenden Besprechung beim Bezirk Oberpfalz in Regensburg vor allem infrastrukturelle Fragen im Vordergrund. Mit den Ministerialräten Manfred Jung und Stefan Schell von der Obersten Baubehörde beim Bayerischen Innenministerium sowie mit Josef Kreitinger, Leitender Baudirektor bei der Regierung der Oberpfalz, Dr. Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt Regensburg und Reinhold Meier vom Landratsamt Cham diskutierten Löffler und Bernard den Ausbau wichtiger grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen zwischen den Bezirken Oberpfalz und Pilsen.

Zentral war hierbei vor allem die Erweiterung und Elektrifizierung der Bahnverbindung von Regensburg über Schwandorf und Furth im Wald nach Pilsen und Prag. Zwischen beiden Seiten bestand Einigkeit, dass eine schnelle Verbesserung der gegenwärtigen Situation erforderlich ist. Bernard verwies darauf, dass die Fahrzeit zwischen München und Prag derzeit rund sechseinhalb Stunden betrage und damit nur unwesentlich schneller als vor 150 Jahren sei. Die Strecke ist auf der deutschen Seite bereits in den potenziellen Bedarf des aktuellen Bundesverkehrswegeplans aufgenommen und hat gute Chancen, in den vordringlichen Bedarf aufzusteigen, wenn die zugehörige Wirtschaftlichkeitsprüfung positiv ausfällt.

Damit dies gelingt, investiert das Bayerische Innenministerium  gemäß Stefan Schell rund sechs Millionen Euro, um die Planungen für die Strecke zu beschleunigen und eine schnellere Umsetzung des Ausbaus zu erreichen. Im Juli 2017 sollen eine entsprechende Studie, die gemeinsam mit der tschechischen Seite erarbeitet wird, bei einer Eisenbahnkonferenz in Furth im Wald vorgestellt und eine Absichtserklärung unterzeichnet werden. Josef Bernard und Pavel Čižek begrüßten die Aktivitäten auf der bayerischen Seite und verwiesen darauf, dass damit auch die Wahrscheinlichkeit eines Ausbaus des tschechischen Streckenteils weiter erhöht werde. Bislang ist zwar eine Elektrifizierung bis zur Grenze bei Česká Kubice, jedoch kein durchgehender zweigleisiger Ausbau vorgesehen.

Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung der grenzüberschreitenden Straßenverbindungen. Der weitere drei- bzw. vierspurige Ausbau der Bundesstraßen 20 und 85 in Richtung Grenze ist bereits im Bundesverkehrswegeplan geregelt. Das betrifft insbesondere die Erweiterung der B 20 auf vier Fahrstreifen von Cham Süd bis Chameregg und die Weiterführung des vierspurigen Streckenteils von Wetterfeld in Richtung Roding (LK Cham). Allerdings setzt dies auch eine Erweiterung der Strecke hinter der Grenze in Richtung Pilsen voraus. „Wenn der Ausbau auf der tschechischen Seite nicht in gleichem Maße wie bei uns erfolgt, dann stehen wir verkehrstechnisch vor erheblichen Problemen“, mahnte Löffler an. Čižek sicherte zu, sich ebenfalls um einen mehrspurigen Ausbau der Fernverkehrsstraße nach Pilsen zu bemühen. Derzeit stünde auf dieser Strecke allerdings der Bau von Ortsumgehungen im Vordergrund.

Zum Abschluss des Treffens bekräftigen Löffler und Bernard, sich durch regelmäßige Gespräche auch weiterhin gemeinsam für grenzüberschreitende Belange einsetzen zu wollen. „Am wichtigsten für den Bezirk Pilsen ist die Zusammenarbeit mit seinen unmittelbaren Nachbarn, insbesondere der Oberpfalz, und wir werden diese Zusammenarbeit kontinuierlich fortführen“, unterstrich Bernard. Beide Seiten möchten sich daher möglichst zeitnah wieder persönlich austauschen, um weitere Fragestellungen zu klären und die Freundschaft zwischen beiden Bezirken weiter zu festigen.       

    

 Fanden sich in Regensburg zu einem gemeinsamen Verkehrsgespräch ein: Pavel Čížek, Petra Kropačková, Josef Bernard, Franz Löffler, Markus Meinke (v.l. 1. Reihe), Josef Kreitinger, Hermann Krauß, Jan Příbaň, Stefan Schell, Dr. Richard Bosl, Manfred Jung und Reinhold Meier (v.l. 2. Reihe).

 


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