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Im Einsatz für Gesundheit, Soziales, Kultur und Natur

REGENSBURG. Rund fünfzig Bürgerinnen und Bürger waren auf Einladung von Bezirksrat Richard Gaßner aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach in die Bezirkshauptverwaltung nach Regensburg gekommen, um sich über die Aufgaben und Leistungen der nach den Gemeinden und Landkreisen so genannten „dritten kommunalen Ebene“ zu informieren. „Der Bezirkstag der Oberpfalz als Kommunalparlament macht den Hauptunterschied zur Regierung der Oberpfalz aus, die als Behörde des Freistaates Bayern arbeitet“, so Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Bezirkssozialverwaltung. Schreiner erläuterte die Aufgaben und Leistungen des Bezirks von der Hilfe für Pflegebedürftige und für Menschen mit Behinderung bis zur Kulturförderung und Unterstützung der Fischer und Teichwirte in der Oberpfalz. Er ging auch auf den Bezirkshaushalt ein, der ohne die Ausgaben für das bezirkseigene Kommunalunternehmen medbo in diesem Jahr insgesamt rund 440 Millionen Euro umfasst, davon werden rund 94 Prozent im Bereich Soziales aufgewendet. „Deutlich geringer, aber mit großer Wirkung sind die Ausgaben für das Kulturleben“, ergänzte Schreiner und zeigte die Arbeitsbereiche der Bezirksheimatpflege von den Kulturförderprogrammen über die Denkmalpflege bis zu dem grenzüberschreitenden Ausstellungsprojekt „Wie klingt die Oberpfalz?“ auf. Für die Kulturarbeit gibt der Bezirk in diesem Jahr rund 6,5 Millionen Euro aus.

In der Eingliederungshilfe unterstützt der Bezirk Menschen mit Behinderung auch im Arbeitsleben. „Durch Zuschüsse an den Arbeitgeber schafft das in diesem Jahr neu in Kraft getretene Budget für Arbeit für diese Menschen neue Arbeitsplatzchancen“, so der Leiter der Bezirkssozialverwaltung.

Prof. Dr. Thomas Baghai, medbo- Direktor medizinische Leistungen, stellte die „Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz“ an den sechs Standorten vor. Besonders die aktuellen und geplanten Entwicklungen interessierten die Besucher. Zurzeit könne der Psychiater einen zunehmenden Behandlungsbedarf bei psychiatrischen Erkrankungen beobachten. Neben der Versorgung habe in der medbo auch die wissenschaftliche Vernetzung und die Forschung eine große Bedeutung. Anschließend konnten sich die Besucher von einer ganz neuen Behandlungsmethode ein Bild machen. Neurofeedback ist ein modernes EEG-basiertes Behandlungsverfahren, das bei der medbo seit wenigen Jahren zum Einsatz kommt. Ein EEG (Elektroenzephalogramm) ist die Ableitung der Hirnströme. Um das zu verdeutlichen befestigte Therapeut Christian Schweiger am Kopf eines Besuchers Sensoren, die elektrische Aktivitäten des Gehirns messen. „Der Patient kann seinem Gehirn beim Denken zusehen und dabei in kleinen Schritten Veränderungen vornehmen“, erläuterte Schweiger.

In der Behandlung psychischer Erkrankungen hat das  Neurofeedback eine wichtige Bedeutung

Von der Norm abweichende Hirnaktivitäten können unmittelbar als Farbveränderung am Bildschirm sichtbar gemacht werden. Sehr gute Erfahrungen haben die Therapeuten der medbo bislang bei der Behandlung von Angsterkrankungen gemacht. Auch bei somatoformen Störungen und einigen therapieresistenten Depressionen wirkt Neurofeedback sehr gut.

Vor dem Mittagessen im lichtdurchfluteten „medborante“ zeigten Bezirksrat Richard Gaßner und medbo-Mitarbeiter Bruno Feldmann die im Vorjahr neu eröffnete T4-Gedenkstätte beim Zugang zur Krankenhauskirche St. Vitus. Der Verwaltungsrat der medizinischen Einrichtungen hatte die Initiative Gaßners aufgegriffen, die Gedenkstätte völlig neu zu gestalten. Der Ort erinnert an das Schicksal der 641 psychisch kranken und behinderten Menschen, die 1940/41 aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet wurden. Diese Patienten wurden Opfer der von Adolf Hitler angeordneten T4-Vernichtungsaktion, benannt nach dem Sitz der zuständigen NS-Dienststelle Tiergartenstraße 4 in Berlin.

Ein spiritueller und kulturgeschichtlicher Schatz ist die Krankenhauskirche St. Vitus. 997 wurde das Benediktinerkloster Prüll gegründet. Die 1110 geweihte Hallenkirche, nachgewiesen durch die wissenschaftliche Analyse eines verbauten Eichenbalkens war nach den Benediktinern von 1484 bis zur Säkularisierung 1803 in der Hand des Karthäuserordens. Zwölf Mönche lebten in kleinen Häuschen mit Garten weltabgewandt in ihren Zellen, um „eins zu werden mit Gott.“ Bis 1852 wurde das Areal als Biergarten genutzt, danach wurde die Königliche Kreisirrenanstalt Karthaus-Prüll eröffnet, die Vorgängerin des heutigen Kommunalunternehmens „Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz“.