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„Zeitzeugen“ des Alltagslebens auf dem Land

 

NEUSATH-PERSCHEN. Das alltägliche Leben der „kleinen Leute“ auf dem Land in den 1930er und 40er Jahren ist Thema der diesjährigen Saison des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen. Die Ausstellung „Volk, Heimat, Dorf – Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre“, konzipiert von der Arbeitsgemeinschaft Süddeutsche Freilichtmuseen, zeigt, wie die Ideologie der Nationalsozialisten Volkskunst und Brauchtum instrumentalisiert hat.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer eröffneten am vergangenen Freitag das diesjährige Museumsjahr, das unter dem Motto „Zeitzeugen“ steht. „Unser Museum zeigt nicht das Leben von Königen und Kaisern, sondern das der einfachen Leuten auf dem Land“, erläuterte der Bezirkstagspräsident. Und so erzählt die Ausstellung auch nicht die große Politik dieser Zeit, sondern „die Probleme der Landbevölkerung zwischen Erzeugungsschlachtung und Hungersnot, zwischen Blut und Boden, Ideologie und Alltagsbewältigung“, so Löffler. Auch die Themen Zwangsarbeiter und Flüchtlinge werden behandelt.

Über die Alltagsgeschichte der einfachen Leute in ländlichen Gegenden wurde nicht viel für die Nachwelt aufgeschrieben, und lange Zeit wurde versäumt, die Zeitzeugen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu befragen. Erst ab den 1960er Jahren begann man mit der Befragung von Menschen, die die Kriegsjahre überlebt haben und Zeugnis über die damalige Zeit abgeben konnten. Einige Quellen konnten so aufgetan werden, und auch das museumseigene Bildarchiv brachte einiges zu Tage. Hinweistafeln in den Museumsgebäuden auf diese schwierige Zeit ergänzen die Ausstellung.

„Das Museum soll sich zunehmend der neueren Geschichte und den Veränderungen des ländlichen Lebens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts annehmen“, gab Bezirkstagspräsident Löffler aus. Den Anfang macht die Geschäftseinrichtung des Textilhauses Heimerl in Rötz (Landkreis Cham), die viel über das Leben in den 1950er und 60er Jahre berichtet und im Info-Raum des Zentraldepots zu sehen ist.

Ein ganz anderer Zeitzeuge wird in einer weiteren Ausstellung behandelt, die ab August zu sehen sein wird. „Hans – eine kleine Geschichte vom Glück“ erzählt in eindrucksvollen Fotografien von einem Landwirt, der sich den Veränderungen in der Landwirtschaft der Nachkriegszeit nicht anpassen wollte oder konnte. „Er scheint aus der Zeit gefallen zu sein und ist doch ein ganz besonderer Zeuge seiner Zeit“, machte Löffler neugierig.

Das Oberpfälzer Freilandmuseum bietet heuer Menschen, die die Nachkriegszeit auf dem Land erlebt haben, Gelegenheit, ihre Erfahrungen und ihr Wissen an nachfolgende Generationen weiterzugeben. In Zusammenarbeit mit der Seniorenfachstelle im Landkreis Schwandorf und mit der der Fakultät für angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der OTH Regensburg sollen Senioren mit Studenten zusammentreffen.

"Auch 2018 bietet das Museum ein abwechslungsreiches Programm, das für jeden etwas bereit hält“, zeigte sich der Bezirkstagspräsident überzeugt.

Das Oberpfälzer Freilandmuseum ist von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Näheres zu Jahresprogramm, Kursen und Aktionstagen gibt es hier.