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Tiefe Einblicke ins menschliche Gehirn

Spitzenforschung in den Lebenswissenschaften erfordert heutzutage High-Tech-Geräte, die bisher unsichtbare Dinge sichtbar machen. Ein solches hochmodernes Gerät der Bildgebung nehmen wir heute in Regensburg in Betrieb und schlagen damit ein neues Kapitel in der medizinischen Forschung am Standort auf“, freute sich Professor Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, bei der Einweihung des 3-Tesla-Kernspintomographen vergangene Woche. Der Tomograph – untergebracht am Bezirksklinikum Regensburg – ermöglicht es, strukturelle und funktionelle Vorgänge in Geweben – insbesondere in Gehirn, Rückenmark und Muskulatur – mit hoher Auflösung darzustellen. Dies kommt sowohl der medizinischen und psychologischen Forschung als auch der Behandlung von Patienten mit Veränderungen und Erkrankungen des Gehirns zugute.

„Die Anschaffung des MRT-Scanners ist ein gutes Beispiel dafür, wie Universitätsmedizin in Regensburg durch die Zusammenarbeit verschiedener Fakultäten und der medbo nachhaltig vorangebracht werden kann“, hob der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Stärkung der überregionalen Sichtbarkeit des Standorts Regensburg heraus. Der hochmoderne 3-Tesla-Kernspintomograph bietet neue Möglichkeiten für die Erforschung des menschlichen Gehirns sowie bei der Behandlung von Erkrankungen der Gewebe und Organe.

Auch Bayerns Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und Finanzstaatssekretär Albert Füracker waren anlässlich der Einweihung zum Festakt nach Regensburg gekommen. „Interdisziplinarität ist insbesondere in der medizinischen Forschung unverzichtbar. Der neue 3-Tesla-Kernspintomograph steht hier beispielhaft für die gewinnbringende Kooperation mehrerer Fachdisziplinen und wird deren wissenschaftliche Arbeit nachhaltig weiter voranbringen. Die Anschaffung des Geräts zeigt einmal mehr: Die Hochschulmedizin im ostbayerischen Raum ist leistungsfähig und zukunftsorientiert“, betonte Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler.

Neben der Forschung eröffnet das Gerät auch neue Wege in der Patientenbehandlung. So wird es künftig möglich sein, noch detailliertere kleine Strukturen gezielt abzubilden. Mit einer „Zoomfunktion“ erhoffen sich Wissenschaftler und Ärzte Verbesserungen in der Detailerkennbarkeit anatomischer Regionen in Gehirn und zentralem Nervensystem. „Wir können in Regensburg zukünftig Patienten besser behandeln und Prävention durch High-Tech- Forschung betreiben. Der neue Forschungsscanner baut Regensburg und die ganze Oberpfalz als Standort modernster Medizin weiter aus und bietet vielen Patienten in unmittelbarer Heimatnähe neue Perspektiven zur Behandlung schwerwiegender Krankheiten“, resümiert Alberte Füracker, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

Räumlich im Bezirksklinikum Regensburg verortet, wird der 3-Tesla-Kernspintomograph von den Fakultäten für Medizin (Lehrstuhl für Röntgendiagnostik, Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie) sowie für Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft (Lehrstuhl für Psychologie) gemeinsam genutzt. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf 2,7 Millionen Euro. Finanziert wurden sie je zur Hälfte vom Freistaat Bayern und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Vorgänge im Gehirn sichtbar machen

Vorgänge im Gehirn sind hochkomplex. Sie sowohl bei organischen als auch bei psychischen Erkrankungen sichtbar zu machen, ist eine große Errungenschaft der biomedizinischen Bildgebung. Dabei werden mit Hilfe von Kernspintomographen die Durchblutungsänderungen von Hirnarealen in Rahmen von Denkvorgängen erkennbar, denn Nervenzellen verbrauchen bei Aktivität Sauerstoff. Das Gerät ist in der Lage, Areale mit hohem Sauerstoffumsatz über die unterschiedlichen magnetischen Effekte von oxygeniertem und desoxygeniertem Blut präzise zu identifizieren (BOLD-Effekt). Diese neue Art der Bildgebung wird „funktionelle Magnetresonanztherapie (MRT)“ genannt.

Durch die technischen Innovationen des beschafften Gerätes mit neuesten MRT-Messtechniken sind die Forscher nun in der Lage, viel detaillierter als vorher die Funktionsweise des Gehirns zu entschlüsseln und auch die Ursachen von psychischen Störungen und Erkrankungen zu erkunden. Hierbei erhofft sich das interdisziplinäre Forscherteam neue Erkenntnisse für die präoperative Planung von Präzisionseingriffen am Gehirn.